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Respektvoller Umgang

Darf man zu einem blinden Menschen „Auf Wiedersehen“ sagen? Wie bietet man Hilfe an, ohne aufdringlich zu wirken? Der Deutsche Knigge-Rat hat sich Gedanken über den Umgang mit Menschen mit Behinderung gemacht und zehn Tipps ausgearbeitet:

 

    Keine plumpe Neugier: Fragen Sie Ihren Gesprächspartner nicht, seit wann oder warum er eine Behinderung hat. Wenn er will, wird er es Ihnen erzählen. Auch Anstarren ist tabu.


    Unterstützung anbieten – und abwarten: Hilfsbereitschaft ist höflich. Noch höflicher ist es, die Antwort auf das Angebot abzuwarten. Denn viele Menschen mit Behinderung können den Alltag alleine bewältigen und brauchen nur in besonderen Situationen Unterstützung.


    Mit den Menschen reden – statt über sie hinweg:
Viele Menschen mit Behinderung wundern sich, wenn sie übergangen werden. Haben Sie keine Hemmungen, sie direkt anzusprechen. Wenn Sie mit einem Menschen im Rollstuhl oder mit kleinwüchsigen Menschen sprechen, bemühen Sie sich um die gleiche Augenhöhe, indem Sie sich setzen. Erwachsene Menschen, egal ob mit oder ohne Behinderung, werden gesiezt.


    Der Dolmetscher hat die Nebenrolle: Auch wenn ein Gebärdensprachdolmetscher im Einsatz ist, sollte der Gesprächspartner angesehen und direkt angesprochen werden. Der Dolmetscher hat die Nebenrolle – und das weiß er auch.


    Distanz-Zonen beachten:
Für Menschen mit Behinderung ist es wichtig, dass die Distanz-Zonen eingehalten werden. Unaufgeforderte Berührungen wie Streicheln oder Tätscheln sind ebenso tabu wie das Verschieben des Rollstuhls oder das Verlegen des Blindenstocks. Hilfsmittel sind für Menschen mit Behinderung etwas sehr Persönliches. Auch der Blindenhund sollte nicht, ohne zu fragen, gestreichelt werden, denn er könnte bei seiner „Arbeit“ gestört werden.


    Keine Angst vor Redewendungen: Menschen mit Behinderung stören sich nicht an gängigen Redewendungen. Sagen Sie ruhig „Auf Wiedersehen“ zu einem blinden Menschen, und fragen Sie die Rollstuhlfahrerin, ob sie mit Ihnen „spazieren gehen“ will.


    Vorsicht vor Diskriminierung: Sprachliche Sorgfalt ist geboten, wenn Sie über Menschen mit Behinderung sprechen. Die Bezeichnung „Behinderter“ wird als Diskriminierung empfunden. Korrekt ist es, von einem behinderten Menschen oder einem Menschen mit Behinderung zu sprechen. Ein gehörloser Mensch ist nicht „taubstumm“, sondern kann über die Gebärdensprache kommunizieren.


    Blickkontakt suchen:
Für schwerhörige Menschen ist es wichtig, dass ihr Gesprächspartner den Blickkontakt hält, weil ihnen Mimik und Gestik beim Verstehen helfen. Schwerhörigkeit bedeutet nicht, dass jemand geistig nicht in der Lage ist, Ihnen zu folgen. Vermeiden Sie es, in Babysprache zu verfallen oder zu schreien.


    Besser zu viel als zu wenig kommunizieren: Gerade für blinde Menschen ist es wichtig, dass Sie ausgiebig kommunizieren. Geben Sie Bescheid, wenn Sie beispielsweise Ihren Platz verlassen, um zu vermeiden, dass Ihr Gegenüber sich mit einem leeren Stuhl unterhält, weil er denkt, Sie seien noch da. Achten Sie bei der Begrüßung auf die Körpersprache des blinden Menschen und fragen Sie: „Wollen wir Händeschütteln?“ Der Handschlag ist eine wichtige Möglichkeit, um Informationen über Sie zu erhalten und Sie zu begreifen. Fragen Sie beim Ortswechsel: „Darf ich Ihnen meinen Arm anbieten?“


    Eine Behinderung ist nur ein Merkmal von vielen:
Verzichten Sie auf Bemerkungen wie: „Toll, dass Sie trotz Ihrer Behinderung Sport machen.“ Eine Behinderung ist nur ein Merkmal von vielen. Eine Rollstuhlfahrerin ist eine Frau, außerdem zum Beispiel Ehefrau, Mutter, Angestellte und Vereinsmitglied. „Menschen mit Behinderung wünschen sich, als vollwertig anerkannt zu werden“, betont Jarosch. „Wenn man sich davon lösen könnte, dass die Behinderung als zentrales Merkmal wahrgenommen wird, wäre schon viel geholfen.

(Quelle: Sozialverband VdK Deutschland, Online-Zeitung)

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aktualisiert: 08.03.2013 13:21 Uhr

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